O du fröhliche!

Es ist der 23.12.2024 ein Tag vor Weihnachten und ich bin an der Küste Sri Lankas. in Fort Galle. Ein wirklich idyllisches kleines Dörfchen, dass in der Kriegszeit von Holländern und danach Engländern eingenommen wurde und so ist es ein kunterbunter Mix aus verschiedenen Kulturen und Traditionen, die sich hier widerspiegeln. 

Ob es das Essen, die Religionen, die Kirchen, die Schulen, die Menschen sind. Alle möglichen Länder sind hier vertreten und so kam es auch, dass es die Touristen hierhin führt. Ich bin kein großer Fan mehr von zu vielen Touristen Ansammlungen. 
Zur Weihnachtszeit nun an diesem Ort zu sein, ist jedoch das richtige für uns. Es ist schnuckelig und auch geschmückt. Ich folgte einer Empfehlung von einer Jungsgruppe, die ebenfalls im Paradise Forest Garden übernachtet haben, mit denen ich ins Gespräch gekommen bin. 

Es ist der 23.12.2024 ein Tag vor Weihnachten und ich frage mich schon, wie es dazu kommen konnte, das erste Weihnachten nicht zu Hause zu sein, obwohl es das erste Weihnachen ist, an dem mich mein Sohn zur Mama gemacht hat. 

Ich denke daran, wie es wohl wäre so zuhause. Da brauche ich nicht lange überlegen, es wäre die reinste Tortour. Abgesehen davon, dass es ja ein zuhause nicht mehr gibt. 
Ich habe der Situation vorgegriffen und habe mich und oder vielmehr uns, der ganzen Situation entzogen und auch das, war die richtige Entscheidung. Warum kommen denn jetzt dann diese komischen Gedanken hoch? "Du kannst doch dem kleinen, nicht sein erstes Weihnachten nehmen", "Was tust du ihm da nur an", "Du und der kleine können auch bei meiner Mutter Weihnachten verbringen" "Weihnachten ohne Baum, das ist doch kein Weihnachten" Umso länger diese Zeilen werden, umso bewusster wird mir, Ich bin geflohen. 

Und diese Sätze schleichen sich langsam wieder zurück in mein Gedächtnis. Ist das fair? Ich denke nicht. Es sind nicht meine Gedanken, es sind an mich gerichtete Worte gewesen. Diese Worte wären in einer intakten und in einem liebevollen Familienkonstrukt ohnehin auch nie gefallen. Also, was haben sie denn dann in meinem Kopf zu suchen? Worte von Menschen, vor denen ich die Flucht ergriffen habe, diese Worte dürfen keinen Platz bei mir finden. 

Wie hätte ich mir denn Weihnachten vorgestellt? 

Wenn ich mir selbst diese Frage stelle, dann ist sie gar nicht so einfach zu beantworten. 
Vor ein paar Jahren hätte ich sie sicherlich folgend beantwortet, dass ich mich sehr freue, sollte ein Baby da sein und es das erste Weihnachten ist, es klassisch zumindest am Weihnachtsabend, unter dem Baum zu verbringen.Baby, dem Mann den ich liebe, schön geschmückt, Platzal und Punsch. 

Letztes Jahr als der kleine Wuselmann noch in meinem Bauch war, war ich an Weihnachten wirklich unglücklich. Ich denke zurück, als ich am Küchentisch saß und Rotz und Wasser geheult habe. Um ehrlich zu sein, habe mich noch nie so ungeliebt, fremd und Familienlos gefühlt, in einer Situation in der man sich doch eigentlich geliebt und verbunden fühlen sollte. Besonders, wenn ich an den ersten Weihnachtsfeiertag zurück denke.

Ich schwor mir, nächstes Weihnachten wird schön! egal wo, egal wie.Dann, mit dem Kleinen und wer dabei sein will, gerne. Hauptsache liebevoll. - Naja, und so bin ich halt jetzt auf Sri Lanka. Alleine mit meinem Wunder.

Unerwartet, aber ich muss sagen, ich glaube es wird schöner als vorgestellt.

Tanja